
Am Eingang begrüßt jeden Besucher ein besonderer Zeitgenosse aus vergangenen Fastnachtstagen: ein Schwellkopf, wie er in den 1950er Jahren regelmäßig in den Carnevalsumzügen erschien - allerdings in wechselnder Kostümierung. Mit zwei noch mehr Furcht erregenden „Geschwistern" erinnert er an die vorchristlichen Ursprünge der Fastnacht, die in der Vertreibung des Winters liegen.
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Während in Damme jahrhundertelang der Tag vor Beginn der Fastenzeit, also die Fast(en)-Nacht, mit einem Heischegang durch die Haushalte begangen und mit einem ausgiebigen Gelage beendet wurde, lernten die Dammer erst um 1870, sich zu kostümieren. Die abgebildete Gruppe mit solchen Kostümen aus der Zeit um 1900 zeigt diesen gründerzeitlichen Wandel an. Mit derlei rheinischen Formen wandelte sich die Fastnacht zum Carneval – und dazu erschien erstmals eine Fastnachtszeitung, deren „Stoff" man dem ausgestellten Sammelkasten anvertraute.
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Aufgrund des rheinischen Wandels hielten erstmals Prinzen in Damme Einzug, mit ihnen auch die kostümierten Umzüge. Den alten Heischegang verschob man auf den Fastnachts-Dienstag und nannte ihn fortan „Gänsemarsch". In der abgebildeten Vitrine wird auf diese Verbindung hingewiesen: Im Zentrum steht die Urfahne mit dem Gründungsjahr der "Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614" sowie dem barocken Narren und seiner klassizistischen Begleiterin, dann ein Prinzenkostüm, wie es zwischen 1958 und 1983 getragen wurde, schließlich das erste „handgemachte" Kinderprinzenkostüm von 1949 nebst einigen Insignien von närrischen Würdentrügern.

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Die 1920er Jahre fanden im närrischen Damme eine besondere Ausprägung. Als 1920 und 1921 nach dem Ersten Weltkrieg wieder Fastnachtsumzüge stattgefunden hatten, unter anderem mit der inflationsgeprägten Gruppe „Zeitgemäße Geldschränke", die in Raum 1 nachgestellt wurde, gab es 1922 ein Carnevalsverbot.
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Man befürchtete unter dem Deckmantel närrischen Treibens Aufstände oder Aufruhr. Im gleichen Jahr gab die Carnevalsgesellschaft ihre sechs Serienscheine, das sogenannte „Dammer Notgeld“ heraus und schuf damit etwas Einmaliges in Deutschland, zumal nach dessen Auslieferung diese Art Kleingeldersatz untersagt wurde. Damit erlangten die sechs Scheine unter Sammlern einen besonderen Wert – bis heute. Ein großes Display zum „Dammer Notgeld“ befindet sich in der Ausstellung, ebenso ist noch das Begleitheft zur Inflationszeit „Notgeld – Notzeiten“ für 5 € mit einem originalgetreuen Nachdruck der Serienscheine zu erwerben. |
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Als nach der Machtergreifung 1933 die Nationalsozialisten vermeintlich „deutsches“ Brauchtum förderten, nahmen die Dammer die Chance wahr und belebten ihren Carneval neu. Im ersten Jahr geschah das noch als „Entführung“ des kurz zuvor in Steinfeld aufgestellten Riesen-findlings in Form einer Attrappe. Ab 1934 gab es dann wieder einen regelmäßigen Rosenmontags umzug, ab 1938 zusätzlich noch den sonntäglichen Kinderumzug, und all die zuvor bereits gepflegten närrischen Veranstaltungen im Umfeld.
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Eine Auswahl der folgenden Bilder zeigt, dass die Dammer Narren die Themen der Zeit bereitwillig aufgriffen. Die von der NSDAP propagierten Aktionen des Reichsluftschutzbundes (RLB) fanden 1935 in einer „Luftschutz“Gruppe ihren Niederschlag. |
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Die Organisation von Vergnügungsfahrten war nach der Gleichschaltung Sache der NS-Organisation „Kraft durch Freude“, die laut Rosenmontagsumzug 1936 angeblich sogar Touren zum nahe gelegenen Dümmer durchführte - durchaus ironisch zu verstehen. |
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1937 traf der Wagen mit Sr. Tollität dem Prinzen, hier Hubert I. Wöbkenberg, nach alter Tradition zur Abschlusskundgebung auf dem Kirchplatz von St. Viktor ein. |
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1938 stellte die seinerzeit sehr aktive Gruppe der Dammer Viehhändler, seit der Gleichschaltung „Viehverteiler" genannt, - in Vorahnung des 1 ½ Jahre später eröffneten Eisenerzbergwerks -- als närrische Glanzleistung - täuschend ähnlich eine Gruppe „Kumpel“ dar. |
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1939 thematisierten einige Narren den „KdF“-Wagen, den Vorläufer des Volkswagens. Wiewohl die Form noch wenig an den Volkswagen, wie er später hieß, erinnerte, sparten seit geraumer Zeit viele Deutsche für dieses Volks-Auto, eine Aktion, die über die NS-Volkswohlfahrt bzw. die „Kraft durch Freude“-Organisation lief. |
Eine Vielzahl weiterer Fotos und Erläuterungen zum Dammer Carneval in den 1930er Jahren bildet im Raum 1 die Ergänzung zur laufenden Sonderausstellung „Damme zwischen den Weltkriegen“. |